Der Karl-May-Verlag

1913 wurde der Karl May Verlag gegründet. Für die einen ist es wenig Zeit, für die anderen viel, und doch kämpft niemand so sehr um die Weitergabe von Wissen wie dieser eben. Jeder normale Verlag kümmert sich um viele verschiedene Autoren und Bücher, jedoch nicht der Karl May Verlag. Mit einem eisernen Willen und dem Glauben der Winnetou Fans weltweit, hat sich der Verlag eine Besonderheit zur Aufgabe gemacht.

Er verlegt die Werke von nur einem Autor, welcher kein anderer als unser Karl May ist, sowie alle Werke wenig anderer Autoren, welche sich ebenfalls um das Thema mit Karl May drehen. Alle seine Werke werden von dem Karl May Verlag, welcher übrigens unter der Leitung von Bernhard Schmid ist, publiziert und sogar verkauft.

Mittlerweile gibt ist diesen Verlag schon 100 Jahre, und ein Ende ist noch Lange nicht in Sicht. Karl May gibt nicht auf.

 

Verleger: "Karl May ist nicht out" - Hoffen auf Winnetou

Seit 100 Jahren kümmert sich der Karl-May-Verlag um seine Werke. Zum Jubiläum hofft der Verlagschef auf neue Filme. In den Büchereien der Region wird Karl May kaum noch ausgeliehen.
Von Kathrin Zeilmann
"Karl May wird alle zehn Jahre totgesagt." Sagt Bernhard Schmid, Chef des Karl-May-Verlags, und schmunzelt. "Komisch, dass wir immer noch Bücher verkaufen. Angeblich ist Karl May seit den 1950er-Jahren out. Trotzdem wird er heute noch gelesen." Schmids Verlag wird heuer 100 Jahre alt - das Unternehmen wurde Anfang Juli 1913 gegründet. Das Erfolgsrezept von Karl May ("Winnetou", "Unter Geiern") sei es, die Fantasie der Leser anzuregen. "Deshalb hat er so lange überdauert. Der Wunsch, in eine fremde Welt einzutauchen, hört einfach nicht auf."
Schmid sitzt in seinem Büro in Bamberg vor einem großen Bücherregal mit den markanten grün-goldenen Buchrücken. Dieses Design "ist eines unserer höchsten Güter", sagt Schmid. Etwa 200 Titel hat das Haus im Programm - neben den gesammelten Werken Karl Mays (1842-1912) auch Filmbücher, Briefbände, Biografien und Sekundärliteratur wie "Karl May und die Musik".
Dass sich ein Verlag seit einem Jahrhundert nur einem Autor widme, sei einmalig, sagt Schmid. Aber May sei ja auch der meistgelesene Autor in Deutschland mit einer Auflage von etwa 100 Millionen. Dazu kommen noch in mehr als 45 Sprachen übersetzte Bücher im Ausland.
Die Geschichte des Unternehmens begann 1913, als Schmids Großvater Euchar Albrecht, Mays Witwe Klara und der Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld einen Verlag mit Schmid als Geschäftsführer gründeten. Hauptsitz war Radebeul bei Dresden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Radebeul in der sowjetischen Besatzungszone war, streckte der Verlag seine Fühler nach Westen aus - nach Bamberg, wo Euchar Albrecht Schmid aufgewachsen war. Noch heute hat das Unternehmen seinen Sitz in der fränkischen Stadt.
Bernhard Schmid, der in der dritten Generation den Verlag führt, sagt: "Wir sind guter Hoffnung, dass Karl May auch heute noch seine Leser findet." Mit E-Books und Hörbüchern reagiert das Unternehmen auf neue Lesegewohnheiten. Konkrete Geschäftszahlen nennt Schmid nicht. Nur so viel: Das Karl-May-Jahr 2012, als der 100. Todestag des Schriftstellers gefeiert wurde, habe die Verkaufszahlen gesteigert.

Trotzdem hat Schmid auch Sorgen. Es werde schwieriger, die Leser zu erreichen. "Wir sind ein klassischer Buchhandelsverlag." Die traditionellen Buchhändler sind zwar immer noch mit Abstand der wichtigste Vertriebsweg für Bücher in Deutschland. Aber die Konkurrenz im Internet wächst: Nach Angaben des Börsenvereins des deutschen Buchhandels hat der Online-Umsatz mittlerweile einen Anteil von 16,5 Prozent - Tendenz steigend. Der Umsatz des Sortiments-Buchhandels dagegen sank 2012 um vier Prozent auf 4,6 Milliarden Euro.

Zumindest in den Büchereien der Region sind Karl-May-Bücher weniger gefragt: "Wir haben in diesem Jahr bislang 17 Karl-May-Titel ausgeliehen", sagt Brigitte Maisch, Leiterin der Coburger Stadtbücherei, und ergänzt: "Früher waren das deutlich mehr." Rund 150 Werke rund um Karl May, Filme inklusive, stehen für Karl-May-Fans in Coburg bereit.

Nur noch ein zwei Ausleihen von Winnetou & Co pro Jahr registriert Rudolf Pfadenhauer, Leiter der Kronacher Kreisbibliothek. Für ihn ist Karl May etwas aus der Mode gekommen. Das lasse sich selbst bei Winnetou-Filmen beobachten, bei denen früher alle vor dem Fernseher gesessen hätten. "In diesem Jahr eine, im letzten Jahr drei Ausleihen": So lautet die Karl-May-Bilanz in der Eberner Stadtbücherei. Hedwig Kaffer: "Früher hatten wir weit über 30 Bände, wegen der geringen Nachfrage haben wir den Bestand immer mehr reduziert. Heute haben wir nur noch Winnetou und Old Shatterhand." Auch in den Büchereien und Bibliotheken Hochfrankens fällt das Ergebnis nicht besser aus.
Zum Verlagsgeburtstag plant Schmid einen Festakt im Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater. Ein großer Geburtstagswunsch des Verlagschefs dürfte sich bis dahin allerdings nicht erfüllen lassen: "Wir hoffen auf neue Filme", sagt Schmid. Die legendären "Winnetou"-Filme mit Pierre Brice in der Hauptrolle aus den 1960er-Jahren hätten Karl May einen Popularitätsschub beschert

 

DER KARL MAY VERLAG: DIE LEGENDE LEBT WEITER

Jubiläen feiern macht Spaß – der Karl-May-Verlag rutscht gleich von einem in das nächste: Vom 100. Todestag Karl Mays 2012 zu 100 Jahre Karl-May-Verlag 2013. BuchMarkt sprach mit Verleger Bernhard Schmid über den bekannten Schriftsteller Karl May, Aktionen des Verlages und Veränderungen im Buchhandel.


Buchmarkt: Herr Schmid, Sie kommen aus dem Feiern ja gar nicht mehr heraus?
Bernhard Schmid: Tatsächlich war das Karl-May-Jahr mit über 500 Veranstaltungen und großer Medienpräsenz sehr erfolgreich.

Und hat es sich auch für Ihren Verlag gelohnt?
Ja, wir haben ein großes Umsatzplus. Es hätte jedoch noch viel mehr sein können. Karl May fand überall statt, nur nicht in jeder Buchhandlung. Viele haben hier leider eine Chance vorüberziehen lassen.

Wird denn Karl May noch gelesen?
Ja, und zwar beachtlich! Nicht mehr so viel wie vor 30 oder 40 Jahren, aber mehr als viele andere Schriftsteller! Über 100.000 Bände pro Jahr und allein zwischen 2.000 und 3.000 Exemplare allein von "Winnetou I" - das spricht doch eine deutliche Sprache. Und sonst gäbe es wohl auch unseren Verlag nicht mehr, der zwar wie die meisten in der Branche kämpfen muss, aber nach wie vor schwarze Zahlen schreibt.

Aber Jugendliche lesen doch kaum noch Karl May?
Da können wir mit dem erfolgreichen Ergebnis unserer Anfang des Jahres zu Ende gegangenen Aktion "Eine Feder für Winnetou. Schreibwettbewerb ‚Karl May junior‘ für Kids zwischen 10 und 15 Jahren" dagegenhalten: Über 550 Einsendungen, wovon die besten Geschichten, die von einer hochkarätigen Fachjury ausgesucht wurden, in einem Band veröffentlicht sind. Und die Kinder haben auch bekannt, dass ihnen die Karl-May-Lektüre großen Spaß gemacht hat.

Welche Prominenz war denn an dem Schreibwettbewerb beteiligt?
Schirmherrin war die Ministerin Frau von der Leyen, in der Jury saßen bekannte Autoren wie Tanja Kinkel, Stefan Gemmel, Jörg Kastner und Wolfgang Hohlbein.

Wie konnten Sie diese dafür gewinnen?
Das sind alles Karl-May-Fans! Wie sich überhaupt viele Schriftsteller zu ihrem erfolgreichen Vorgänger bekennen, so z. B. auch Cornelia Funke, Elke Heidenreich, Martin Suter und Martin Walser!

Und ist Karl May auch für das digitale Medienzeitalter gerüstet?
Den Großteil unseres Programms gibt es bereits als eBooks! Durch das fehlende Urheberrecht bei Karl May - die Schutzfrist ist bereits Ende 1962 ausgelaufen - gibt es hier eher Konkurrenz mit den ursprünglichen Texten.

Ihre Bücher sind alle bearbeitet?
Zu einem großen Teil ja, was über Jahrzehnte große Mühen und Anstrengungen kostete. Oft wurde unser Verlag dafür auch angegriffen, obwohl sicherlich gerade das dazu beigetragen hat, dass Karl May zum meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache geworden ist. Manche E-Books werden heute gar kostenlos angeboten. Dabei fürchten wir, dass viele Jugendliche mit einer Sprache des 19. Jahrhunderts nicht zurecht kommen, Karl May wieder zur Seite legen und auch in der Zukunft nicht mehr danach greifen. Welcher 10-Jährige will schon beim Lesen Fremdwörter nachschlagen, wenn Winnetou "rekognosziert"? Wichtig ist auch, dass mit dem ‚richtigen‘ Buch begonnen wird. Karl May hat einige Bücher speziell für die Jugend geschrieben, die wir besonders für den Einstieg empfehlen. Dazu gehört nicht "Winnetou I", sondern z. B. "Unter Geiern" und "Der Schatz im Silbersee".

Viele Buchhändler sagen, nach Karl May werde bei ihnen nicht mehr gefragt!
Auf diesen Satz bin ich zwischenzeitlich allergisch! Die meisten, die heute ein bestimmtes Buch suchen, bestellen dieses direkt online. Warum sollten sie auch in der Buchhandlung fragen, wenn das entsprechende Buch aus unserer Reihe mit 92 Bänden eh nicht vorrätig ist?

 

Was werfen Sie dem Buchhandel denn vor?
Wir würden es für selbstverständlich halten, wenigstens die wichtigsten 5-10 Bände der Gesammelten Werke im Angebot zu haben - und das in der Jugendbuchabteilung. Es wird immer gesagt, es kauften nur noch ältere Herren Karl May, aber wir sind sicher, dass diese Bücher dann meist als Geschenk für Jugendliche gedacht sind, wie überhaupt Karl May als erstes immer verschenkt wird. - Und Bilderbücher stellt man ja auch nicht zu den Bildbänden, nur weil sie von erwachsenen Müttern gekauft werden! 80 Prozent der Kunden in einer Jugendbuchabteilung wissen vor ihrem Besuch nicht, welches Buch sie als Geschenk kaufen wollen. Diese erreichen wir nun nicht, wenn kein Karl May im Angebot ist. Dabei haben die bekannten grünen Bände doch nach wie vor ein riesiges Potenzial durch ihren Wiedererkennungswert! Wir haben jetzt auch ein wunderschönes Streifenplakat mit allen Gesammelten Werken für die Buchhandlungen, die keinen Platz für alle Bände haben, sich aber das lukrative Geschäft mit Karl May nicht entgehen lassen wollen.

 

Wie beurteilen Sie die Veränderungen im Buchhandel wie z.B. die Reduzierung der Großflächen?
Ich bin sicher nicht in der Situation, dem Buchhandel kluge Ratschläge zu erteilen. Aber wundern dürfen wir uns schon, wenn hier fast nur noch auf Mainstream und Bestseller gesetzt wird und zu unserem Leidwesen auch oft unser erfolgreicher Longseller-Autor nicht angeboten wird. Ich befürchte, der Buchhandel sägt so an seinem eigenen Ast und treibt immer mehr Kunden zum Onlinehandel.

Haben Sie Konkurrenz zu fürchten?
Ja, einen ganz großen: Ebay und der Gebrauchtbuchmarkt. Uns holen die riesigen Erfolge der Vergangenheit ein, Millionen von Karl-May-Büchern stehen in den Haushalten und kommen teilweise wieder auf den Markt. So gesehen werden vielleicht sogar mehr Karl-May-Bücher gekauft denn je!