Der Apache

Das Plädoyer zur Völkerverständigung

 

Nach der Buchvorlage von Karl May und den "11 Winnetou-Karl May Filmen" erlebt die Romanfigur "Winnetou" einen Wandel durch Pierre Brice 

 

"Winnetou - der Apache

„Mein Freund Winnetou / Winnetou le Mescaléro“

 

Die Story:

 

Bei der Verfolgung von weißen Banditen kommen Winnetous Begleiter Alter Bär und Kleiner Bär ums Leben, er selbst wird schwer verletzt. Der zufällig vorbeikommende Fotograf Napoleon Charbonneau macht sich in den Augen der ebenfalls auftauchenden Pajute-Indianer verdächtig, an Winnetous Zustand Schuld zu sein. Erst die Ankunft Old Shatterhands hilft ihm aus der Patsche. Winnetou wird zu den Pajutes gebracht und gepflegt. Nach seiner Genesung macht er sich mit dem Komantschen Tashunko auf, ihn einige indianische Tricks zu lehren, als sie unversehens auf die Überlebenden eines Überfalls von Banditen auf die Postkutsche stoßen, den Agenten des Amtes für indianische Angelegenheiten Vincent, seiner indianischen Frau Nalin und deren Sohn Peter. Auf dem Weg zu einem nahegelegenen Fort werden sie von Chiricahua-Apachen unter der Führung von Yaqui, einem Bruder von Cochise, angegriffen.

Bei dem Fort angekommen, fällt Winnetou sofort der schlechte Zustand der um das Fort herum lagernden Indianer ins Auge. Es scheint so, als wäre sein alter Freund Sam Hawkins Schuld an dieser Misere, denn der brennt Schnaps für die Arbeiter der Eisenbahngesellschaft und die verscherbeln den Alkohol an die Indianer weiter. Sam Hawkins verspricht, Abhilfe zu schaffen. Als Winnetou und Tashunko weiterreiten wollen, sind ihre Pferde verschwunden, offensichtlich gestohlen von einigen Banditen, die auch noch zwei Indianerfrauen entführt haben. Diese Frauen gehören zum Stamm der Cheyenne unter der Führung von Häuptling Wolfszahn. Durch sein Land wollen die Weißen unter der Leitung von Colonel Stevens die Eisenbahn bauen und sie versuchen, mit billigen Geschenken und Alkohol Land von den Indianern zu erschleichen.

Tashunko verliebt sich in die Indianerin Winona, die jedoch wenig später bei einem Massaker der Weißen im Indianerdorf getötet wird. Winnetou ruft die umliegenden Indianerstämme zu einem Kriegsrat zusammen, während Colonel Stevens die Wachen im Eisenbahnerlager verstärkt, weil er einen Angriff befürchtet. Ihm geht Tashunko ins Netz, als er eigenmächtig versucht, die Mörder Winonas zu finden. Stevens will ihn so lange als Pfand behalten, bis Winnetou die Indianer zur Aufgabe ihre Dorfes bewegt hat, doch der schleicht sich nachts ins Lager und kann Tashunko befreien.

Dann überfallen die Indianer tatsächlich, ohne Winnetou zu informieren, das Eisenbahnerlager und machen alle Angetroffenen nieder, worauf sich die Armee unter der Leitung von Leutnant Merrill zu einer Strafexpedition aufmacht. Old Shatterhand und Sam Hawkins lenken die Soldaten ab, damit Winnetou und Tashunko in die Stadt reiten können, wo dem tot geglaubten Alten Bär ein Prozess gemacht werden soll. Leutnant Merrill will als Verteidiger von Alter Bär Winnetou zu einer Aussage bewegen, doch die Banditen um Sammy Cook stellen Winnetou als Lügner hin. Er soll sogar den Überfall, den Cook auf Alter Bär begangen hat, selbst begangen haben. Der Fotograf Charbonneau kann dann aber durch seine Fotografien beweisen, dass Winnetou unschuldig

 

Die Resonanz:

 

Nachdem Winnetou zuletzt im Jahre 1968 in „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ auf der Leinwand zu sehen war, war es 12 Jahre lang still geworden um den berühmten Apachen-Häuptling aus der Feder von Karl May. 1979 wurde dann der Versuch unternommen, Winnetou zumindest auf den TV-Geräten eine neue Heimat zu erschaffen und unter Beteiligung von Hauptdarsteller Pierre Brice selbst wurden für den WDR (Westdeutscher Rundfunk / Deutschland) 14 Episoden mit einer Länge von jeweils ca. 22 Minuten in Mexico gedreht und 1980 ausgestrahlt. Die Serie entstand unter dem Titel „Mein Freund Winnetou / Winnetou le Mescaléro“. Beteiligt an der Produktion waren Länder wie Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Später wurden alle Episoden gesammelt auf DVD in der Edition „Mein Freund Winnetou“ veröffentlicht.

 

Die Serie knüpfte in keiner Weise der aus den 60´er Jahren bekannten alten Karl May Verfilmungen an, sondern zeigte nun ein Stück wahre Realität der Lebensumstände der Indianer der damaligen Zeit. Pierre Brice selbst hatte sich bei der Mitbeteiligung am Drehbuch und Konzeption bei der Erzählrichtung auf die Fahne geschrieben, mehr hinter die Kulissen der amerikanischen, bzw. indianischen Geschichte zu blicken. Und so finden wir nun plötzlich Karl May´s Titelheld nun ganz in der Realität vertieft, wie es sich der Erzählautor vielleicht hätte gewünscht. Zwischen den wahren Native American People, die von ihrem Land vertrieben werden, mitten in dieser doch so wahren Geschichte, taucht nun ein Kämpfer und Vermittler zwischen zwei Nationen auf, dessen Unterschiede, Respekt füreinander, Toleranz und Akzeptanz nicht hätte größer sein können – WINNETOU.

 

In die Handlung wurden gewisse historische Elemente mit eingebaut, unter anderem das Amt für indianische Angelegenheiten, das Verhältnis der Armee und der Eisenbahngesellschaften zu den Indianern und die sich dadurch ergebenden Konflikte. Aber auch Brauchtum und Kultur kommen nicht zu kurz. Die Serie hat fast semidokumentarischen Charakter.

 

Schon vor dem Kino - weltweiten Erfolg von Kevin Costner´s „Dances with Wolves“ / „Der mit dem Wolf tanzt“ von 1990 unternimmt ein Franzose den Versuch zwei Völker durch mehr Annerkennung und Respekt aufeinander aufmerksam zu machen. Pierre Brice hatte die Chance durch seine Popularität als Verkörperung des Häuptlings Winnetou in 11-Karl May Filmen nun auf die wahren und geschichtlichen Hintergründe der amerikanischen Ureinwohner aufmerksam zu machen. Zwar konnte, anders als die alten Karl May Verfilmungen, diese Serie nun auch detailgetreu in Mexico gedreht werden, fanden die Episoden allerdings sein Publikum nur in Europa.

Das einzig unrealistische bei der Serie ist wohl, dass die Schandtaten der Weißen und auch der US-Soldaten an den Indianern am Ende zugegeben werden und die Indianer recht bekommen. Eine Tatsache, die selbst im heutigen Amerika wohl undenkbar wäre. Hat doch eine solch große Nation zuweilen heute noch in ihrer eigenen Geschichte riesige Gedächtnislücken. 

 

Vielleicht könnte ein positiver Held wie Winnetou aber heute mehr zu dieser Völkerverständigung beitragen, auch wenn nicht jedes Unrecht und jede Schuld gesühnt werden kann. Auch kann die Zeit sicherlich nicht alle Wunden heilen. Was bleibt ist heute leider weiter die Tatsache, dass zwei Völker nach wie vor im eigenen Land auskommen müssen. Sie sollten allerdings heute mehr in der Lage sein aufeinander zuzugehen und miteinander zu leben, als sich weiter in Klassen zu trennen.  

 

Jede Nation bringt ihre ganz eigene Tradition mit sich und über die Zeit ihre ganz eigene Geschichte hervor, an der sie gemessen wird. Es gibt viel positives was man heute von den Native American People lernen sollte. Die Weisheit und tiefe Hochachtung vor Mutter Natur und der respektvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen. Wir alle sind nur für einen kurzen Moment auf dieser Erde und mit dem Kreislauf des Lebens verbunden. Es wäre unsere Pflicht gerade für kommende Generationen Dinge die uns umgeben bewusst zu ehren und sie nicht zu zerstören. Denn wir haben nur eine Erde. Dieses ist eines der Weisheiten der Native American People. Weisheiten die selbst heute äußerst erstrebenswert sein sollten.

 

Die Weissagung der „Cree – Indianer“ ist ein eingängiger Spruch der amerikanischen Umweltbewegung „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

(Englische Version: Only after the last tree has been cut down / Only after the last river has been poisoned / Only after the last fish has been caught / Then will you find that money cannot be eaten.)

 

Ein deutscher Autor hat einen Helden in seiner Phantasie erschaffen, dessen Handlung nun mitten in dieser Geschichte des Kampfes zweier Völker spielen sollte. Er wird selbst erst später ein Kämpfer für das Gute. Durch die Freundschaft und Blutsbrüderschaft zu einem „Bleichgesicht“ wird er dazu gebracht beide Kulturen und Lebensformen kennenzulernen und zu respektieren. Er beginnt Verständnis zu entwickeln und versucht beide unterschiedliche Nationen „weg vom Kampf und hin zur Freundschaft“ zu vereinen. Ein fast unmögliches unterfangen, welches ihm auch in der Romanvorlage dann das Leben kosten soll.      

 

Getötet wurde Winnetou im Kampf durch feindliche Indianer am Hancockberg. Allerdings im (ursprünglichen) Vorwort von Winnetou I erklärte May jedoch einen Weißen zu Winnetous Mördern. Das Wort "Weißen" wurde in später gedruckten Vorworten durch das Wort "Feindes" ersetzt. Diese Feinde waren die Ogellallah-Sioux, also das eigene Volk.

 

Vielleicht wollte Karl May selbst nicht auch in seinem Roman zu dieser wahren Realität Bezug nehmen und somit ein „Bleichgesicht“ für den Tod des großen Helden verantwortlich machen. Auch wenn die alten Karl May Verfilmungen der 60´er Jahre eben hier den Schuldigen am Tode Winnetous in der Verantwortung suchen und den Spannungsbogen so auf die wahre Realität versucht haben zu lenken.

 

 

Der Kern von Karl May´s Romanerzählung und der Geschichte um Winnetou bleibt dennoch auch in dieser Fassung erhalten und lässt ihn in der Realität von Gegensätzen zwischen zweier Völkern leben und kämpfen. Und selbst bis zu seinem Tod und seinen letzten Worten glaubt auch er noch selbst an die Chance der Völkerverbindung. Durch die große und tiefe Freundschaft zu seinem Blutsbruder ist ihm die Möglichkeit eröffnet worden auch dessen Traditionen und Werte kennenzulernen und zu akzeptieren. Und so macht er Bekanntschaft mit dem Christentum. Nun war Old Shatterhand wahrlich kein Missionar und wollte seinen Freund und Blutsbruder sicherlich nicht zum Christentum bekehren. Doch vielmehr die Neugier und der Respekt seiner Kultur brachten ihn, Winnetou, dazu an etwas zu glauben was neben seiner Kultur dennoch existieren und Bestand haben konnte.    

 

Im Text von Karl May´s Buchvorlage „Winnetou III“ heißt es:

 "Mein Bruder... hat Worte gesprochen, welche nicht sterben können...Winnetou wird nicht vergessen den großen, gütigen Manitou der Weißen, den Sohn des Schöpfers, der am Kreuz gestorben ist...Der Glaube der roten Männer lehrt Hass und Tod; der Glaube der weißen Männer lehrt Liebe und Leben. Winnetou wird nachdenken, was er erwählen soll, den Tod oder das Leben."

 

Und als der Apache am nächsten Tag den tragischen Heldentod stirbt, bittet er schwer verwundet die geretteten Siedler, ihm das "Ave Maria" zu singen und stirbt anschließend in Old Shatterhands Armen. Seine letzten Worte sind:

»Schar-Iih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ. Lebe wohl!«


Karl May war wohl der erfolgreichste deutsche Autor des 19. Jahrhunderts. Sein Lebensstil war nicht immer der eines vorbildlichen Christen. Manchmal machte er einen auf Hochstapler und landete dafür auch zweimal im Gefängnis. Aber er hat es verstanden, seinen tiefen Glauben - in höchst unterhaltsamen Geschichten verpackt - ansprechend weiter zu geben.

 

Winnetou-Darsteller Pierre Brice versteht sich als «Christ. Er glaube aber nicht an ein Leben nach dem Tod, sagte der Franzose in einem Interview des Berliner «Tagesspiegel». «Um sich zu entfalten, braucht die Seele keine religiöse Struktur. Pierre Brice glaube «an den individuellen Weg, zu Gott zu finden», erklärte er. Gott sei für ihn ein Bewusstsein. «Eine Kraft, die uns führt, die uns 'den Schliff' gibt.» Dieses Bewusstsein müsse für die Menschen jedoch ein Gesicht haben. Für ihn sei das Jesus. «Jesus, der Mensch, der Einzigartige, der uns führt», betonte Brice. Jemand der im Leben etwas riskiert und bereit ist bedingungslos für eine Sache einzustehen und dafür zu kämpfen. Nicht für ein persönliches Ziel, sondern mehr für die Freiheit und Gerechtigkeit eines ganzen Volkes. Vielleicht wird der Held von Karl May in der Vermischung von seinen Abenteuern der Romanvorlage mit der religiösen Einstellung des Schauspielers Pierre Brice zu einem indianischen Messias, dessen Häuptling der Apachen Winnetou auch war. Aber genau da liegt der Schlüssel zum Erfolg und der Annerkennung zu diesem positiven Helden. Eine fiktive Romanvorlage mit der Chance gutes zu bewirken. Menschen zum nachdenken anzuregen und zu bestreben selbst auch im wahren Leben tapfer, ehrlich und gut zu sein.  

 

 Die Zukunft wird zeigen ob ein positiver Held, dessen Kampf für Frieden und Freiheit steht und für das gegenseitige Verständnis der Völkerverbindung, eine Chance haben wird vielleicht gespaltene Nationen zu einen. Die Geschichte des Apachen – Häuptlings Winnetou ist der Versuch seinen gegenüber eben auf diese Weise zu begegnen und ihn auf Missstände neben der eigentlichen Abenteuerhandlung aufmerksam zu machen. Ob in der Romanvorlage, auf der Bühne eines Theaters oder im Film, Winnetou ist zu einem positiven Helden geworden, der selbst die Bereitschaft in der Geschichte aufgebracht hat, sich der Realität zu stellen und das Verständnis des „Andersseins“ aufzubringen. Es ist nicht notwendig ihn zu glorifizieren. Man sollte ihm aber großen Respekt und Anerkennung aussprechen, dass durch die Neugier und Offenheit und der Bereitschaft zur Toleranz ein Miteinander, egal welcher Hautfarbe, möglich ist. Nicht nur das. Vielleicht sind doch manche Sitten und Gebräche und mache Wege zueinander doch gar nicht so unterschiedlich und zu verschieden wie man anfangs erst glauben mag. Man muss nur bereit sein, sich gemeinsam zu begegnen.    

 

Winnetou darf nicht sterben... 

Doch genau diese Überschrift dieser so privaten Dokumentation spricht Millionen von Winnetou-Fans heute aus der Seele ! „Winnetou darf nicht sterben“! Pierre Brice hat Winnetou in den Karl May Verfilmungen der 60er Jahre dem Häuptling der Apachen nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Seele gegeben. In der Darstellung wich Pierre Brice in den vielen Jahren und Verkörperung dieser Rolle der getreuen Buchvorlage vom Schöpfer Karl May   ab und erschuf aus dem edlen Indianer der Mescalero Apachen, welcher auch hart durchgreifen konnte, mehr einen Friedensengel und Botschafter zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen und Nationen.

 

Aber genau diese Botschaft war es die letztendlich den großen Erfolg und die Popularität einer Heldenfigur, in Form des edlen Indianers, ausmachte.

Und das weltweit ! Noch heute werden die Romane Karl May´s in der ganzen Welt gelesen und die Filme von damals zählen als Kult.      

 

Frage an Pierre Brice : „Und wie erklären Sie sich diesen Erfolg der Winnetou-Filme?“

Brice: Nun, der erste Grund für diesen Erfolg ist Karl May selbst . Der zweite Grund ist diese so tiefe Freundschaft zwischen zwei Helden, die beide positive Charaktere, sowie Idole und Vorbilder der Jugend geworden sind.

Frage an Pierre Brice: „Winnetou verkörpert in Karl Mays Buchvorlage als „edler Wilder“ bestimmte Werte wie Freiheit, Frieden, Menschenwürde und Toleranz. Sind das auch Ihre Vorstellungen?“  

Brice: Das ist die Erklärung dafür, warum ich weiter die Rolle von Winnetou gespielt habe. Weil diese Werte, die Karl May in seiner Fiktion verteidigt hat, auch Werte sind, für die ich mein ganzes Leben lang gestanden habe. Das bedeutet, dass diese Figur sehr nah an meiner eigenen Person und Persönlichkeit war. Ich habe versucht, mehr als nur mein Schauspieltalent zu zeigen und auch eine Seele in dieser Rolle zu legen. Ich habe mich mit dieser Rolle identifiziert. Sollte irgendwann einen neuer Winnetou-Film gedreht werden, kann ich nur hoffen und wünschen das dieser Geist auch meinen Nachfolger erfüllt und er sich dieser Rolle und Verantwortung     bewusst wird. Winnetou ist nicht nur Kunst der Darstellung, es ist sein gutes Herz und man muss bereit sein als Idol gerade für die Jugend Verantwortung zu übernehmen.