Der Mörder Ribannas ist „unter uns“!

Parranoh heißt eigentlich Tim Finnetey und ist der Schurke in der Erzählung „Old Firehand“ von 1875 – später von Karl May umgearbeitet in „Im fernen Westen“ und in dieser Version mit kleineren Änderungen verwendet für „Winnetou II“. Parranoh, alias Tim Finnetey, ist ein Weißer, lebt aber bereits lange schon bei den Indianern. In der Buchversion von Karl May begehrt Tim Finnetey die schöne Häuptlingstochter Ribanna zur Frau, die aber schon mit Old Firehand verheiratet ist und mit ihm zwei Kinder hat. Als Tim Finnetey von Ribanna abgewiesen wurde, entführte und tötete er sie und ihre kleine Tochter. Zum Zeitpunkt der Haupthandlung in Karl Mays Roman ist Ribanna bereits tot und es wird nur in Rückblenden über sie erzählt.

Ribanna, auch die Rose vom Quicourt genannt (“Quicourt” ist der alte Name des Niobrara River), war die Tochter von Tah-scha-tunga, dem Häuptling der Assineboins. Ribanna wurde die Frau von Old Firehand und Mutter von Ellen (in “Old Firehand”) bzw. Harry (Version “Im fernen Westen” und “Winnetou II”). Winnetou und Old Firehand hatten sich beide in sie verliebt. Sie aber schenkte ihre Liebe dem Weißen und Winnetou verzichtete zugunsten seines Freundes auf sie. Nach ihrem Tod durch Parranoh treffen Jahre später ihre Rächer Winnetou und Old Firehand aufeinander. Gemeinsam mit Old Shatterhand setzen sie sich auf die Spuren des Mörders. Soweit die Grundgeschichte von „Winnetou II“, ein neues Abenteuer welches im Sommer 2018 bei den Karl-May-Festspielen von Elspe nach 33 Jahren den Weg zurück auf die große Naturbühne findet.

Bereits im Jahre 1979 und 1985 stand das große Abenteuer, nach der Vorlage von Karl May, in einer freien Version auf dem Spielplan der Karl-May-Festspiele. Damals wurde die Rolle des Apachenhäuptlings Winnetou noch von der Legende Pierre Brice auf der Freilichtbühne von Elspe verkörpert. Allerdings war damals schon das Stück „Winnetou II“ von Autor, Regisseur und Geschäftsführer der Karl-May-Festspiele Jochen Bludau mehr aus der Sicht des durchtriebenen Parranoh, oder alias Tim Finnetey erzählt worden. Die Inszenierung wurde damals, neben Pierre Brice, einer weiteren Bühnenlegende auf den Leib geschrieben, Meinolf Pape. Von 1964 arbeitete Meinolf Pape zunächst als Pferdewart für die Freilichtbühne und sprang für einen ausgefallenen Statisten eher zufällig ein. Der gelernte Schweißer arbeitete sich dann vom Kleindarsteller zu großen Charakterrollen hoch. Von 1973 bis 1976 absolvierte er eine Ausbildung zum Stuntman und nahm Schauspielunterricht. Meinolf Pape war in der Zeit von Pierre Brice immer der große Häuptling und der indianischer Gegenspieler Winnetous und spielte sich in dieser Rolle in die Herzen der Zuschauer. Meinolf Pape blieb auch nach Pierre Brice dieser Rolle treu, obwohl er für die Inszenierungen 1988 und 1989 auf die Seite des Guten überwechselte. Als Publikumsliebling spielte er keine geringere Rolle als die des Apachenhäuptlings Winnetou. Aber diese Rolle sollte so gar nicht zu seinem eher sonst rasanten Auftreten, seiner kämpferischen Höchstleistung und dem überaus brillanten Mimikspiel passen.

2018 sind die Karl-May-Festspiele von Elspe ein ganz besonderes Jahr. „Auf 60 Jahre Tradition kann man nur zurückblicken, wenn man das Bestehende ständig weiterentwickelt und sich auch zeitgemäßen technischen und inhaltlichen Entwicklungen nicht verschließt“, weiß Jochen Bludau zu berichten, „das betrifft nicht nur die Karl-May-Festspiele, sondern alle Bereiche, angefangen vom Ticketsystem bis hin zur Gastronomie.“ Der heutige Geschäftsführer Jochen Bludau war der erste Winnetou-Darsteller auf der Elsper Naturbühne. Als späterer Geschäftsführer, Autor und Regisseur sollte er allerdings viel größere Pläne für die damalige Freilichtbühne verfolgen, bekannter zu werden als die Bad Segeberger Freilichtbühne in Schleswig-Holstein. Mit der Anfrage beim Management des damals beliebten Film-Winnetous Pierre Brice als Werbescherz für die Freilichtbühne von Elspe zu arbeiten, sollte schnell die erfolgreichste Geschichte der Karl-May-Festspiele des Sauerlandes überhaupt werden. Als Pierre Brice, der ewige Winnetou, 1976 sein Gastspiel als Häuptling der Apachen im Sauerland begann, holte ihn Elspe-Chef Jochen Bludau persönlich am Köln/Bonner Flughafen ab. „Das ganze Flugfeld wurde wie bei einem Staatsbesuch gesperrt. Ich durfte meinen Wagen bis vor die Air-France-Maschine fahren“, klopft sich „Mr. Elspe“ Jochen Bludau noch heute auf die Schenkel. Und aus der zunächst gedachten Werbeidee wurde eine langjährige Zusammenarbeit, mit Besucherrekorden. Pierre Brice spielte die Rolle des Winnetou von 1976-1980 und von 1982-1986. Es hat sich in all den Jahren viel ereignet im Wilden Westen Südwestfalens.

1958 also feierte Winnetou Premiere – damals auf der großen Naturbühne verkörpert von Jochen Bludau, dem legendären (späteren) Old Shatterhand-Darsteller. „Man spielte die Rolle, die man vom Regisseur zugeteilt bekam“, so Jochen Bludaus Kommentar zum zweijährigen Ausflug ins Rothaut-Lager. Es ist ein Jubiläumsjahr für die Karl-May-Festspiele – und ein teilweises Abschiedsjahr für Jochen Bludau. „Ich gebe die Geschäftsführung Ende des Jahres auf“, sagt er. Er will aber Elspe noch einige Jahre als Autor und Regisseur erhalten bleiben, zusammen mit Ex-Winnetou Benjamin Armbruster.

Doch mit der Aufführung von „Winnetou II“ ist es ebenfalls für Elspe eine ganz besondere Saison. Dieses ist nicht zu Letzt einer brillanten Schauspielerbesetzung zu verdanken. Die Rolle des Apachenhäuptlings Winnetou übernimmt bereits zum 7. Mal Publikumsliebling Jean-Marc Birkholz. Der Schauspieler und Synchronsprecher gilt derzeit als der beste und beliebteste Winnetou-Darsteller auf einer Freilichtbühne und kommt in seinem optischen Auftreten dem Film-Winnetou und Bühnenlegende Pierre Brice derzeit am Nächsten. Ihm zur Seite steht erneut und sehr souverän Schauspielerkollege Kai Noll als Blutsbruder Old Shatterhand. Bereits von 2005 bis 2007 sowie seit 2015 ist er an der Karl-May-Bühne Elspe als Titelheld Old Shatterhand zu sehen und neben Jean-Marc Birkholz die Idealbesetzung für diese Rolle. Derzeit ist für Kai Noll die Arbeit an der Freilichtbühne von Elspe eine doppelte Herausforderung als Schauspieler, da er neben der Darstellung als Old Shatterhand auch weiterhin in der Daily Soap „Unter uns“ bei TV-Sender RTL als Rufus Sturm zu sehen ist. Doch Kai Noll liebt beide Rollen und pendelt so zwischen Köln und Elspe stetig hin und her.

Und der Erfolg zeigt sich schon jetzt bei den Ticketverkäufen der Karl-May-Festspiele von Elspe. Bis zum Ferienstart in NRW sind schon mehr als 100.000 Tickets verkauft worden. „Das hatten wir schon lange nicht mehr“, freut sich Geschäftsführer und Regisseur Jochen Bludau, „es sind noch keine Ferien in NRW, und wir haben bereits mehr als 100.000 Tickets für die laufende Saison verkauft.“ Die Ferien in NRW bedeuten für das Elspe Festival die „heiße Phase des Festspiel-Sommers“. Bis zu sechs Mal in der Woche satteln dann Winnetou und Old Shatterhand ihre Pferde, um dem skrupellosen Schurken Parranoh das Handwerk zu legen.

Überhaupt ist Jochen Bludau mit dem Start in die Jubiläums-Saison 2018 sehr zufrieden. Die meisten der bisherigen Vorstellungen waren komplett ausverkauft. „Mit Winnetou II zeigen wir ein Stück, das zuletzt 1985 bei uns aufgeführt wurde und daher auch für viele unserer treuen Stammbesucher neu ist,“ sagt Jochen Bludau. Darin sieht er ebenso einen Grund für den außergewöhnlichen Erfolg, wie in den ausgeklügelten technischen Effekten der Inszenierung und dem stimmigen Rahmenprogramm rund um das Karl-May-Abenteuer. Allerdings hatte Jochen Bludau zunächst etwas Sorge die Inszenierung von „Winnetou II“ auf den Spielplan zu setzten. „In den 70er und 80er Jahren haben wir die Winnetou-Trilogie 1 bis 3 in drei Jahren hintereinander gespielt. Von dieser Praxis sind wir dann abgegangen und Winnetou II zwischendurch einzustreuen, bietet sich einfach nicht an. Zuschauer, die im letzten Jahr 2017 WINNETOU I – Die Geschichte einer großen Freundschaft, und Start der Winnetou-Trilogie vielleicht nicht gesehen haben, hätten vielleicht besorgt sein können mit WINNETOU II der Anschlusssaison nicht gut folgen zu können oder mit WINNETOU I etwas verpasst zu haben. Aber das ist bei unserer besonderen Inszenierung von WINNETOU II überhaupt nicht so. Das Abenteuer von WINNETOU II – Der Kampf um Öl ist ein in sich geschlossenes Abenteuer und eine ganz eigene anspruchsvolle Inszenierung“, so Jochen Bludau.

Was Jochen Bludau mit „anspruchsvoller Inszenierung“ meint, wird schon zu Beginn jeder Vorstellung deutlich. Die Besucher müssen nicht lange auf den ersten spektakulären Knalleffekt warten. Ribanna wird aus Habgier nach Gold von Tim Finnetey bedrängt und das gesamte Blockhaus geht durch einen Kampf in Flammen auf und stürzt brennend in sich zusammen. Danach erleben die Zuschauer einen Zeitsprung von sieben Jahren und treffen mit „Winnetou“ und „Old Shatterhand“ den Gangster „Parranoh“ wieder, denn er ist der Mörder Ribannas. Er hat es als Weißer geschafft, zum Häuptling der Assiniboins gewählt zu werden. Sein Ende naht, als ein Ölfeld mit drei Fördertürmen in die Luft fliegt. Ein Flammenteppich schließt den Bösewicht ein und reißt ihn in die Tiefe.

Jean-Marc Birkholz und Kai Noll verkörpern als Winnetou und Old Shatterhand das Gute. Aber bei Parranoh weiß der Zuschauer lange nicht, auf welcher Seite er steht. Der Siegener Schauspieler Sebastian Kolb spielt diese Rolle einfach brillant. Er ist ebenfalls derzeit in der TV-Serie „Unter uns“ zu sehen, hat viel bei Werner Hahn am Theater Hagen gearbeitet und ist die Zukunftshoffnung für die luziferischen Charaktere in Elspe. „Ich mag Winnetou II, weil die Person des Parranoh so eine schillernde Figur ist, die die heile Welt von Winnetou und Old Shatterhand überlagert“, bekennt Jochen Bludau. „Ich finde es spannend, ihn als Gegenpol zu Winnetou und Old Shatterhand zu inszenieren und wir haben mit Sebastian Kolb den richtigen und passenden Schauspieler für diese Rolle gefunden.“

Sebastian Kolb gastierte 2014 erstmals bei den Karl-May-Festspielen in Elspe im Stück „Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado“ und spielte die Rolle des jugendlichen Rächers „Bloody Fox“, der die Verbrecher bestraft, die auch seine Eltern getötet haben. Für die darauffolgende Festspielsaison 2015 übernahm er in Elspe dann den Indianerkrieger „Kleiner Bär“ im Stück Der Schatz im Silbersee. Er spielte sich in beiden Rollen absolut in die Herzen der Zuschauer und der Ruf nach Wiederkehr zu den Festspielen wurde laut, als er in Elspe im Jahr 2016 und 2017 nicht mehr auf der Besetzungsliste stand. Vielleicht war auch dieses ein brillanter Schachzug erneut von Geschäftsführer Jochen Bludau für die Saison 2018 Sebastian Kolb, gerade für die Rolle des fiesen „Parranoh“ erneut anzufragen. Und diese Rolle spielt Sebastian Kolb wie für sich auf den Leib geschrieben.

Seit April 2018 (Folge 5841) spielt Sebastian Kolb, wie Schauspielerkollege Kai Noll, auch in der RTL-Fernsehserie „Unter uns“ mit. Bei RTL spielt er die Rolle des Marc Reichert; er verkörpert einen alten Schulfreund und den neuen Lover der Serienfigur Saskia Weigel (Antonia Michalsky). Sebastian Kolb hat neben dem Engagement in Elspe bereits zuvor mit seinem Einstieg im April 2018 beim Sender RTL für die Serie “Unter uns” sozusagen einen Blitzstart hingelegt: Er musste mit einer fremden Kollegin in kurzer Zeit so vertraut sein, um einen alten Schulfreund überzeugend rüberzubringen. Diese Aufgabe hat Antonia Michalsky ihm aber leichtgemacht. Auch bei der Serie „Unter uns“ verspricht RTL Spannendes für diese Liebesgeschichte von Saskia und Marc: “Es gibt einige schöne Szenen und einige schwierige Situationen. Ein Auf und Ab!” Etwas, was Sebastian Kolb ebenfalls in der RTL Serien grandios schauspielerisch umsetzen wird. Seit 2003 existiert der offizielle „Unter uns“-Fanclub, der jährlich eine Abstimmung über die beliebtesten Stars der Serie veranstaltet. Es ist ein Online-Voting um die beliebtesten Schauspieler der Serie, bei dem die Fans in insgesamt zwölf Kategorien für ihre Favoriten abstimmen können. Und natürlich ist auch Sebastian Kolb für diese Starwahl bei den Fans der Serie nominiert worden.

Bei den Karl-May-Festspielen von Elspe hat sich Sebastian Kolb selbst in der Rolle des fiesen und durchtriebenen Bösewichts direkt wieder in die Herzen der Zuschauer gespielt. Und wenn ihm am Ende einer jeden Vorstellung eher die „Buuuuuhhhh-Rufe” entgegenschallen, so weiß er als Schauspieler, dass er die Rolle einfach gut und glaubwürdig gespielt hat. Das Stück von „Winnetou II“ trägt Sebastian Kolb einfach durch die Handlung und er hat die Möglichkeit mit der Rolle von Parranoh sein schauspielerisches Können zu beweisen und gerade in den wichtigen Momenten eigene Akzente zu setzen, um die Rolle auszufüllen. Dieses gelingt ihm großartig. Es ist zu wünschen, dass dem Elspe-Festival dieser Schauspieler auch weiter erhalten bleibt. Die Gunst der Zuschauer hat er zumindest absolut auf seiner Seite.

Bis zum 9. September wird die Inszenierung von „Winnetou II“ noch die Spielzeit für den Wilden Westen in der freien Natur dauern. 60 Schauspieler, Cascadeure und Statisten sowie 40 Pferde machen die Karl-May-Festspiele zu einem einmaligen Erlebnis. Komme, was da wolle in Sachen Sommerwetter: Die 4.000 Plätze im Zuschauerraum sind überdacht, ohne die Sicht zu behindern.

Neben den Karl-May-Festspielen machen noch weitere internationale Shows den Besuch in Elspe zu einem einzigartigen Erlebnis. In der Stuntshow „Willkommen in Fort Boyard – Die letzte Chance“ sind Schlägereien, halsbrecherische Sprünge und wilde Verfolgungsjagden hautnah zu erleben. Die Harmonie, die zwischen Mensch und Tier notwendig ist, um eine Action-Inszenierung auf die Beine zu stellen, demonstrieren Reiter und Pyrotechniker bei „Working with Horses“ in der neu gestalteten Rodeo-Arena. Mit dem „Silbernen Clown“ wurde Rosi Hochegger beim Internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet. „Dancing Dogs“ heißt die Dressurshow, mit der sie beim Elspe-Festival zu sehen sein wird. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr präsentiert die Falknerin Maike Schmidt ihre Greifvögel in ihrer aktuellen Show.

Tickets für das Elspe Festival gibt es im Internet unter:

http://www.elspe.de an der Telefon-Hotline 02721-94440.

Ein Kommentar bei „Der Mörder Ribannas ist „unter uns“!“

  1. Ich hoffe es fürs nächstes Jahr das alle Darsteller Elspe erhalten bleiben.

Schreibe einen Kommentar