Karl-May-Festspiele 2019 Winnetou III – Winnetous letzter Kampf…

Es ist wohl das traurigste Stück der Saga: „Winnetou III“, die Geschichte, an deren Ende der berühmte Apachen-Häuptling von einem Gangster erschossen wird und stirbt.

Regisseur und Autor Jochen Bludau erklärte in seiner Begrüßung vor der Presseaufführung am Donnerstag, den 13.06., kurz vor der Premiere, dass man sich bei „Winnetou III“ nicht ganz an die Romanvorlage gehalten habe, die in Episoden auf den Tod „Winnetous“ hinarbeite. „Wir haben Karl May hier ein wenig verbessert und der Geschichte einen runden Rahmen gegeben“, so Jochen Bludau.

Direkt zu Beginn der Pressekonferenz der diesjährigen Karl-May-Festspiele gab Jochen Bludau auch seinen Rückzug offiziell bekannt: er werde die Geschäftsführung des Elspe-Festivals nun doch aufhören.

Als Geschäftsführer, Intendant, Regisseur und Buchautor, Ideengeber, Macher etc. multifunktional und auch emotional mit dem Elspe Festival verbunden, wird er zum Ende des Jahres 2019 nun doch die Geschäftsführung des Unternehmens abgeben.

Gerne erinnert er sich an die Zeit mit dem Winnetou-Darsteller Pierre Brice zurück: „Wir haben das Festival zunehmend professionalisiert. Pierre Brice machte dabei einen großen Teil der positiven Entwicklung aus.“ Das machte sich auch an der Kasse bemerkbar. Zwischen 1976 und 1986 lockte der französische Filmstar zu Spitzenzeiten bis zu 400.000 Besucher an. In der Saison 2019 rechnet Bludau mit bis zu 230.000 Zuschauern. Und die Voranmeldungen lassen darauf hoffen, dass diese Erwartung sich auch in diesem Jahr erfüllen wird. Mit 4.000 war laut Prokurist Philipp Aßhoff die Premiere der neuen Saison bereits ausverkauft.

Jochen Bludau spielte bereits seit seiner frühen Kindheit als Laiendarsteller auf der Elsper Freilichtbühne. 1958 spielte er hier erstmals die Rolle des Winnetou. Zu Beginn war er im Hauptberuf beim Bundesgrenzschutz sowie als Sozialpädagoge und Grundschullehrer im Kreis Olpe tätig. 1968 übernahm er die Geschäftsführung der Naturbühne Elspe, später dann auch die Leitung der der Bühne angeschlossenen Wirtschaftsbetriebe „Western Country GmbH“. Von 1968 bis 1993 spielte er auf der Bühne die Rolle des Old Shatterhand. Für die Karl-May-Aufführungen verpflichtete er von 1973 bis 1994 den Aachener Theaterintendanten Karl-Heinz Walther als Regisseur und übernahm nach dessen Tod selber die Regie.

Nachdem im Jahr 1976 der bisherige Winnetou-Darsteller Peter Löher nicht mehr zur Verfügung stand, gelang es ihm, den Film-Winnetou und französischen Schauspieler Pierre Brice für die Bühne als Darsteller des Winnetou für die Freilichtbühne im Sauerland zu gewinnen, der diese Rolle fortan für zehn Jahre in Elspe spielen sollte. Pierre Brice verweilte von 1976-1980 und von 1982-1986 im Sauerland. Dieser Schritt sollte den Karl-May-Festspielen Elspe weltweite Bekanntheit sichern.

Auch mit dem langjährigen Winnetou-Darsteller der folgenden Jahre von 1988 bis 2012, Benjamin Armbruster, arbeitete Jochen Bludau erfolgreich und vertrauensvoll zusammen.

Pierre Brice wie Benjamin Armbruster spielten bereits beide das aus der Feder von Jochen Bludau stammende Skript von “Winnetou IIII”. In der Bühneninszenierung von 1980 und 1986 spiele darin Pierre Brice den Häuptling der Apachen und 1997 sein langjähriger Nachfolger Benjamin Armbruster. Wobei die bearbeitete Fassung von 1997 mit wesentlich mehr Action angereichert wurde und sogar im Finale eine Kirche in die Luft flog.

Als Autor schrieb Jochen Bludau bisher sämtliche Bücher für die große Naturbühne des Sauerlandes, die auch für andere Karl-May-Standorte und Aufführungen Verwendung fanden.

Hinter den Kulissen sind über die vielen Jahre die Karl-May-Festspiele von Elspe als ein Familienbetrieb geführt worden. Maria Bludau (* 21. April 2012; † 10. April 1998) gehörte ab 1950 zu den Mitbegründerinnen der Freilichtbühne Elspe und war jahrzehntelange selbst Darstellerin. Von 1950 bis 1966 war sie außerdem die Schriftführerin des Naturbühne Elspe e.V. Zu Beginn spielte sie Rollen wie Johanna von Orleans und die Frau von Wilhelm Tell. In den Karl-May-Stücken wurde die resolute Saloonwirtin oder Auswandererin, meist auf Seite der Guten stehend, zu ihrer Paraderolle. Maria Bludau starb Anfang 1998; im Sommer zuvor stand sie ein letztes Mal in “Winnetou III – Winnetous letzter Kampf” noch auf der Bühne.

Oliver Bludau ist der Sohn von Jochen Bludau und war von Mai 2011 bis zum 01. Januar 2015 wie sein Vater Geschäftsführer vom Elspe-Festival und Darsteller des Old Shatterhand. Nach Interviewangaben wollte er eigentlich nie auf der Bühne spielen, kam jedoch 2011 auf den Geschmack, als er als “Ingeneur Leveret” in “Halbblut” einsprang. Im Winter 2011/12 bereitete er sich mit Benjamin Armbruster als Lehrer auf die Old Shatterhand-Rolle vor, die er dann in den Saisons 2012 bis 2014 verkörperte. Vor seiner Zeit beim Elspe Festival war Oliver Bludau bereits Kaufmännischer Geschäftsführer und Gesellschafter der Metall-und Fertigungsunternehmensgruppe Berghoff Gruppe geworden, die sein Stiefvater Ulrich Berghoff mitgründete. Oliver Bludau ist Serial Entrepreneur, Macher und Visionär. Er ist CrowdInnovation-Experte und der Gründer von Bennet & Levi, einem Kreis erfahrener Unternehmer, die Freude daran haben, Unternehmen auf ihrem Weg der Innovation und Digitalisierung zu begleiten. Seinen Einfluss auf die Zeit beim Elspe-Festival ist noch heute positiv spürbar. Die gesamte Werbung und Marketingstruktur wurde damals verändert und auch die digitale Vernetzung zeitgemäß strukturiert. Auch bekam das Gelände einen Schönheitsanstrich und bereits vorhandene Gegebenheiten wurden optisch aufgerüstet und aufgebessert. Aus Zeitgründen und auf Grund seiner vielen Beteiligungen an anderen, wirtschaftlichen Projekten gab Oliver Bludau seine Tätigkeiten beim Elspe-Festival Ende leider 2014 auf.

Seither übernahm Anfang 2015 Vater Jochen Bludau wieder das Ruder und lies den Betrieb des Elspe-Festivals als Geschäftsführer weiter in der Hand der “Bludau-Familie”. Genau dieses solle sich jetzt zum Jahresende nun ändern. Das Ende der Winnetou-Trilogie, die in diesem Jahr mit der Inszenierung von Winnetou III endet, sei der richtige Zeitpunkt, um sich aus dem Geschehen zurückzuziehen, so der 78-Jährige. Jochen Bludau bleibt allerdings Gesellschafter und wird auch künftig bei den Inszenierungen als Intendant, Regisseur, Autor, etc. mitwirken. „Jochen Bludau ist Elspe, das geht gar nicht anders“, so Co-Regisseur Benjamin Armbruster.

In der Inszenierung von 2019 stirbt der Häuptling der Apachen nach nun 22 Jahren wieder auf der großen Naturbühne beim Elspe Festival. Zuletzt wurde das Stück “Winnetou III – Winnetous letzter Kampf” 1997 mit dem bisher langjährigsten Winnetou-Darsteller vom Elspe-Festival, Benjamin Armbruster, auf die Bühne gebracht. Allerdings findet das Stück „Winnetou III – Winnetous letzter Kampf“ erstmals seit 1986 als komplette Trilogie den Weg auf die Bühne zurück. Da es sich in der Bühnenfassung nicht um die Inszenierung von 1997 handelt, griff Geschäftsführer, Regisseur und Autor Jochen Bludau für das aktuelle Stück etwas weiter in seinen Buchfassungen zurück. Somit lässt die diesjährige Inszenierung von „Winnetou III“ sehr stark an die Zeit von Winnetou-Legende Pierre Brice in Elspe erinnern. Mit nur ganz wenigen Änderungen im Detail, ist es dieses Jahr eigentlich eine Buchverlage der Inszenierung aus dem Jahre 1980 und 1986. Schön ist es allerdings, in dieser alten Bühnenfassung, einen der derzeit besten Winnetou-Darsteller Deutschlands zu erleben. Schauspieler Jean-Marc Birkholz lässt in seiner Darstellung des Winnetou erneut sehr stark an Winnetou-Legende Pierre Brice erinnern. Auch wenn Jean-Marc Birkholz selbst diesen Vergleich mit der Winnetou-Ikone scheut, so reicht der Schauspieler der großen Winnetou-Legende Pierre Brice dennoch optisch wie in der Darstellung ganz nah heran und lässt Zeitzeugen stark an die damalige Bühnenzeit von Pierre Brice erinnern. In der diesjährigen Inszenierung von “Winnetou III” wirkt Jean-Marc Birkholz als Winnetou öfter eher ruhiger und in sich gekehrt. Er wird somit zu einem stolzen Indianer, der sich allerdings seinem Schicksal hingibt und durch seine Ahnung das unvermeidliche nicht aufhalten kann.

In der diesjährigen Inszenierung sind bewusst etwas weniger Pyrotechnik und Action zu sehen. Nachdem bereits vor zwei Jahren bei „Winnetou I“ die Emotionen im Vordergrund gestanden hatten, legt das Elspe-Team in diesem Jahr erneut sein Augenmerk auf eine gefühlvolle Inszenierung. „Wir haben gemerkt, dass das Publikum gerne emotional angesprochen wird“, so Jochen Bludau. „und die große Action gar nicht unbedingt braucht.“ Mit den Helden live mitfiebern, sie bei ihren Abenteuern begleiten und am Ende auch mit ihnen leiden – beim Elspe-Festival funktioniert das nun schon seit mehreren Jahrzehnten richtig gut.

Die Story:

Lange war es ruhig in San Manuel im Süden Arizonas. Doch eines Tages ändert sich die Situation. Die Siedler haben Gold gefunden. Und obwohl alle versuchen, den Fund geheim zu halten, tauchen schon bald wieder die “Hounds” auf. Diese gefährliche Verbrecherbande setzt sich immer wieder auf die Spuren von Goldsuchern, um diese zu vertreiben und dann die Goldadern selbst auszubeuten. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Frieden zwischen den Apatschen und den Siedlern zu zerstören.

In Winnetou sehen sie den größten Gegner und starten wüste Attacken gegen ihn. Verzweifelt versucht Winnetou, die Angriffe der Banditen abzuwehren. Auch wenn ihm Old Shatterhand zur Hilfe kommt, und beide die Hounds überwältigen können – wird Winnetou diesen Kampf überleben?

“Die Romanvorlage ist eine der schönsten, rührendsten und tiefgründigsten Geschichten des großen Schriftstellers Karl May, in der er schließlich seinen Helden Winnetou sterben lässt”, meint Jochen Bludau. Dennoch haben er und sein Team kleine Änderungen an der Geschichte vorgenommen. Jochen Bludau: „Nicht nur eingefleischte Karl-May-Fans wissen, dass der Autor in diesem letzten Kampf seinen Helden Winnetou sterben lässt. Um dem großen Schriftsteller und seinen vielen Anhängern gerecht zu werden, kommen auch wir in Elspe nicht darum herum, der literarischen Vorlage in diesem Punkt zu folgen.“  

Die Inszenierung in Elspe ist sehr frei nach Karl May. Alles in allem hat Jochen Bludau da aber eine runde, unterhaltsame und anrührende Geschichte für das Ende der Trilogie geschrieben. In einem Punkt weicht die allerdings nicht von der Romanvorlage ab, wie schon der Untertitel des Stücks „Winnetous letzter Kampf“ verrät: Der Titelheld wird tatsächlich von einer Kugel getroffen und stirbt in den Armen von „Old Shatterhand“. Aber keine Sorge: Nicht nur der Blick auf die letzte Seite des Programmheftes mit der Ankündigung für nächstes Jahr, auch das Ende der Inszenierung verspricht, dass „Winnetou III“ nicht das letzte Abenteuer des Apachen-Häuptlings beim Elspe-Festival gewesen ist.

Entgegen des Romans wird der Apachen-Häuptling am Ende der Inszenierung dann auch noch einmal auf der Bühne zu sehen sein. „Daher verspreche ich unserem Publikum, ohne zu viel zu verraten, dass unser ‘Winnetou III’ eine Inszenierung sein wird, bei der trotz aller Dramatik und dem unvermeidlichen Ende niemand traurig nach Hause fahren muss“.

Nachdem ein weiterer Publikumsliebling vom Elspe-Festival im vergangenem Jahr bereits zur Bühne zurückkehrte und dabei zum Mörder von Winnetous großer Liebe Ribannas wurde, geht es für Schauspieler Sebastian Kolb jetzt sogar fieser und böswilliger noch einen Schritt weiter. Er wird in diesem Jahr über seine Rolle des Sheriffs Doc Plummer zum Mörder Winnetous. Es geht also immer noch eine Schippe drauf. Sebastian Kolb betonte nach der Vorstellung im Gespräch, dass er neben der Schauspielerei ein lieber Mensch wäre, der Winnetou kein Haar krümmen könnte. Trotzdem bereite es ihm Spaß, erneut auf der großen Naturbühne den Bösewicht zu spielen. „Es ist auch eine größere Herausforderung. Als Sebastian darf ich mir hierbei nicht im Weg stehen“, so der sympathische Schauspieler. Allerdings erhält er als Bösewicht und Winnetous Mörder gleichzeitig viele “Buh-Rufe” beim Schlussapplaus aus dem Publikum wie seine fiesen Kumpanen. Doch auch das gehört traditionell einfach dazu, dass dem fieser Bösewicht nicht unbedingt die Herzen und der Applaus des Publikums entgegenschlägt, sondern auf dieser eher lauten Weise die Zuschauer dem miesen Charakter eher so seine Anerkennung zollt. Sebastian Kolb nimmt dieses locker und sieht darin eher eine Anerkennung durch das Publikum seine Rolle wieder glaubhaft und durchtrieben verkörpert zu haben.

Wenn auf einer Freilichtbühne die Fassung von “Winnetou III” inszeniert wird, geht dieses meist mit dem Abschied eines Winnetou-Darstellers von der jeweiligen Bühne einher. So wurde bereits im Vorfeld zur aktuellen Saison 2019 viel spekuliert und gemunkelt, ob dieses nicht vielleicht die letzte Saison von Winnetou-Darsteller Jean-Marc Birkholz, oder Old Shatterhand-Darsteller Kai Noll sein könnte. Die erste Frage zu Jean-Marc Birkholz scheint durch das aktuelle Programmheft vom Elspe-Festival vielleicht schon beantwortet: in der Ankündigung zur Saison 2020, und der Inszenierung von “Der Ölprinz”, ist Jean-Marc Birkholz unter den Text-Banner “Winnetou lebt!” in der neuen Werbeanzeige zu sehen. Leider fehlt der Hinweis zu seinem aktuellem Blutsbruder Old Shatterhand: Kai Noll. Eine offizielle Stellungnahme, über das weitere Engagement der beiden Sympathieträger der Karl-May-Festspiele von Elspe, gibt es bisher leider nicht.

Insgesamt wirken 60 Darsteller und mehr als 40 Pferde auf der 100 Meter breiten Naturbühne mit. Highlights sind wieder die Abendvorführungen, die zwischen dem 25. Juli und 22. August jeweils samstags stattfinden. Wer den emotionalen Höhepunkt der Trilogie live auf der Naturbühne sehen möchte, der kann „Winnetou III“ noch bis zum 15. September beim Elspe-Festival sehen. Die Spielzeiten finden sich auf www.elspe.de oder können telefonisch unter Tel. (0 27 21) 9 44 40 erfragt werden.

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